Walter Kinast, Karlsfeld

 

Ein kurzer Abriss über sein Leben

 

geb. 22.12.1847 in Vötting

gest. 28.06.1920 in Freising

Gaststättenbesitzer und Hotelier in Freising

 

Korporal der 4. Eskadron beim

3. Chevaulegers-Regiment „Herzog Maximilian“

 

 

 

 

Auszeichnungen:

 

Silberne Militär-Verdienst-Medaille 01.09.1870, weil er große Entschlossenheit bei der Beförderung von Depeschen auf einer sehr bedrohlichen Relaislinie gezeigt hat.

 

 

 

 

Goldene Militär-Verdienst-Medaille 11.10.1870, weil er sich freiwillig am 25. September zur Besetzung des durch Franctireurs sehr gefährdeten Relaisposten in Bourcay meldete, diesen Posten unerschrocken behauptete und am 26. September mehrere wichtige Schreiben von der in Pithiviers stehenden preußischen Kavallerie-Division auf bedrohtem Relaiswege nach Arpajon brachte. Hierbei bewies er, wie auf anderen wichtigen Ordonnanzritten auch, wiederholt ungewöhnlichen Mut und viel Umsicht.

 

 

 

 

Einen Bericht über die Feierlichkeit zur Überreichung der goldenen Militär-Verdienst-Medaille hat das Freisinger Tagblatt abgedruckt:

 

 

 

 

Preußisches Eisernes Kreuz 2. Klasse für ein Husarenstück, dass weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannt wurde:

 

Die 1. bayerische Infanterie-Division „Stephan“ sammelte sich am Morgen des 7. Dezember 1870 bei La Chapelle und rückte von da, die 1. Brigade „Dietls“ an der Spitze, gegen Beaugency vor. In Saint Ay wurde die aus dem 2. Jäger-Bataillon, 2 Sechspfünder-Geschützen der 1. Vierpfünder-Feld-Batterie „Gruithuisen“ des 1. Artillerie-Regiments „Prinz Luitpold“ und 2 Eskadronen des 3. Chevaulegers-Regiments „Herzog Maximilian“ bestehende Avantgarde gegen Nordwesten dirigiert und marschierte über La Caillerie und Les Monts auf schmalem, schlechtem Wege nach Le Bardon. Schon bei La Caillerie, wo die Avantgarde nachmittags 1 Uhr 30 Minuten eintraf, hatte sie aus südlicher und südwestlicher Richtung starkes Geschütz- und Gewehrfeuer gehört. Die 17. preußische Infanterie-Division war westlich von Meung im Gefecht.

Bei Le Bardon stieß die 1. Brigade auf den Feind, der bei Grand Chartre Stellung genommen hatte. Der 1. Zug der 4. Eskadron des 3. Chevaulegers-Regiments ging zum Eklairieren vor und traf hierbei auf eine Batterie von 8 Geschützen und 2 Mitrailleusen. Einen Angriff auf sie erachtete der Zugskommandant für untunlich, weshalb er mit seiner Abteilung zurückritt und dem Avantgarden-Kommandanten Meldung erstattete. Beim Feinde machte sich anfänglich im Ganzen eine Rückzugsbewegung bemerkbar, er benützte jedoch die bei der Kürze des Tages früh hereinbrechende Dämmerung, sich unbemerkt wieder zu nähern und namentlich seine Batterie gegen die diesseitige linke Flanke in Stellung zu bringen, von wo nun plötzlich auf die Infanterie-Bataillone mit Kartätschen gefeuert wurde. Aber schon nach wenigen Schüssen verstummte die Batterie; die 4. Kompanie des 2. Jäger-Bataillons und die 5. Kompanie des Infanterie-Leib-Regiments waren in dieselbe eingedrungen und hatten sie genommen. Leider musste dies den nachrückenden, weit überlegenen französischen Infanterie-Abteilungen wieder überlassen werden.

Unterdessen hatte das Gros der 1. Brigade seinen Vorstoß gegen Grand Chartre fortgesetzt, wurde jedoch dabei, den Feind vor sich hertreibend, in der linken Flanke von Beaumont durch den Gegner stark belästigt. Auch hier bedrohte die 6. Kompanie des Leib-Regiments eine französische Batterie in bedenklicher Weise, wobei aber 3 Offiziere und 14 Mann in Gefangenschaft gerieten. Es war nun ungefähr 5 Uhr; die bereits eingetretene Dunkelheit, verstärkt durch einen dichten Nebel, erlaubte kaum weiter als auf 100 Schritte zu sehen.

Gegen 5 Uhr 30 Minuten erhielt der Chevauleger-Korporal Franz Dettenhofer aus Vötting, Bezirksamt Freising, der 4. Eskadron des 3. Chevauleger-Regiments, den Befehl, auszukundschaften, ob sich die zuletzt erwähnte Batterie noch in ihrer früheren Stellung befände oder nicht. Er ritt sofort mit 11 Mann ab und ging im Schwarm vor. Noch war die kleine Truppe keine Viertelstunde von ihrem Abgangsorte entfernt, als die am weitesten links reitenden Chevaulegers Feuer erhielten. Der Korporal zog jetzt seine Mannschaft zusammen und trabte nach der Richtung, woher die Schüsse gekommen waren. In einer Nähe von ungefähr 70 – 80 Schritten vom Feinde bemerkte Dettenhofer etwa 25–30 Mann französischer Infanterie, welche bayerische Gefangene, darunter einige Offiziere, eskortierten. Einer der Gefangenen rief Dettenhofer wohlmeinend zu: „Chevaulegers, wir sind gefangen, reitet zurück, sonst ergeht es euch ebenso“, während gleichzeitig die französischen Soldaten auf die bayerischen Reiter zu schießen begannen. „Bei uns wird nix gfangt“, antwortete der Korporal, sagte zu seinen Leuten „hauts zu, was könnts“ und fiel mit ihnen von allen Seiten auf den Feind. Er tötete demselben 8 Mann, machte seinerseits 14 Gefangene und befreite die bayerischen 3 Offiziere und 14 Mann. Von den Chevaulegers wurde, begünstigt durch die Dunkelheit, weder einer getötet noch verwundet. So waren durch die kecke, mit echt kavalleristischer Entschlossenheit ausgeführte Attacke alle glücklich wieder herausgehauen. Unter den Offizieren befand sich überdies ein schwer Verwundeter, den vier Chevaulegers tragen mussten. Zuerst begab sich Dettenhofer an den Platz, wo die Bayern ihre Waffen und ihr Gepäck hatten ablegen müssen, dann mit seinen Befreiten und Gefangenen auf den Biwakplatz der Chevaulegers in La Banery.

Am folgenden Tage, dem 8. Dezember, stand die Division des 3. Chevaulegers-Regiments eben in Reserve, als einer ihrer Offiziere die sich bietende Gelegenheit benützte, Dettenhofer nebst seinen Untergebenen von gestern den Herren des Infanterie-Divisionsstabes vorzustellen, bei welcher Veranlassung ihm von mehreren Seiten schon im Voraus zum preußischen Eisernen Kreuz gratuliert wurde. Und er erhielt dessen 2. Klasse auch, denn die beiden bayerischen Militär-Verdienst-Medaillen hatte sich der brave Dettenhofer schon früher erworben. (Auszug aus „Der Tapferkeit“, Walter Kinast, Verlag Orden der Welt, Konstanz, 2017)

 

 

 

 

Hier eine der vielen Veröffentlichungen über dieses Husarenstück:

 

 

 

Über die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse wurde im Freisinger Tagblatt berichtet:

 

 

 

 

Das Lied vom tapfern Korporal Dettenhofer

 

Es wurde sogar ein Lied über ihn komponiert, das man in den Buch „Kraftbayrisch“ vom bekannten bayerischen Journalisten, Volkskundler und Schriftsteller  Georg Queri (Piper & Co.-Verlag München, 1912) oder aber auch in „Historische Volkslieder des Bayerischen Heeres 1620 – 1870“ Franz Wilhelm Freiherr Von Ditfurth (1871), nachlesen kann:

 

 

 

 

Der bekannte Schlachtenmaler A. Hoffmann, München, malte ein Bild über diese Tat, was sich nach Auskunft der Familie im bayerischen Armeemuseum befinden müsste. Hier ein Abdruck dieses Bildes:

 

 

 

 

Weitere Auszeichnungen:

 

Luitpoldmedaille 1905

Preußische Kriegsdenkmünze 1870/71

Preußische Zentenarmedaille

 

Die spätere Ordensschnalle des Franz Dettenhofer wurde nach Verleihung der weiteren Auszeichnungen immer wieder erweitert bzw. neu gebunden. Bei der Verleihung der Luitpoldmedaille wurde zwar die Ordensschnalle komplett neu gebunden aber das Etui zur Aufbewahrung nicht neu erstellt, weshalb die Ordensschnalle nicht mehr komplett in die Vertiefungen des Etuis passt.

 

 

 

 

 

 

Hier Beispiele der verschieden zusammengestellten Ordensschnallen des Franz Dettenhofer

 

 

 

 

Wie man sehen kann, trug Dettenhofer statutenwidrig sowohl eine silberne wie auch eine goldene Medaille an der Ordensschnalle.

 

 

 

 

Interessanterweise ist die silberne Militär-Verdienst-Medaille ein Typ 2a, die goldene Militär-Verdienst-Medaille ein Typ 1d. Eine Typ2a-Medaille wurde erst ab 1872 zur Restabwicklung der Verleihungen ausgegeben. (sh. hierzu in Militaria und Phaleristik Nr. 1, Mai – August 2018 die Veröffentlichung „Die Prägevarianten der königlich-bayerischen Militär-Verdienst-Medaille im Vergleich“ oder auf der Hompage der Orders & Medals Society of Amerika, kurz OMSA):

 

https://www.omsa.org/die-pragevarianten-der-koniglich-bayerischen-militar-verdienst-medaille-im-vergleich/

 

Über den Grund dafür kann man nur mutmaßen. Vorstellbar wäre es, dass Dettenhofer die silberne Militär-Verdienst-Medaille aufgrund des geringen Zeitabstandes zwischen den Verleihungen erst gar nicht ausgehändigt bekam oder wenn doch, dann bei der Verleihung der goldenen Militär-Verdienst-Medaille die silberne Medaille rückliefern musste. Anschließend beschaffte er sich ab 1872 privat eine silberne Medaille. Auf dem Gemälde (sh. unten) trug er noch seine Ordensschnalle mit goldener Militär-Verdienst-Medaille, Eisernen Kreuz 2. Klasse und der Kriegsdenkmünze 70/71.

Dettenhofer kaufte 1872 den Gasthof „Sonnenwirth “ in Freising. 1889 kaufte er dann einen anderen Gasthof ebenfalls in Freising, modernisierte ihn und eröffnete den Bau wieder als Hotel unter dem Namen Bayerischer Hof. Zur Erinnerung an den Gründer des Bayerischen Hofes erinnert dort ein Gemälde des Malers „Kromer“ an den Gründer Franz Dettenhofer.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die damalige Zeit war für einen erfolgreichen und bekannten Gastwirt in Bayern nicht immer leicht. Er war ständig Beleidigungen und Verleumdungen von Neidern und Betrunkenen ausgesetzt.

Wegen Beleidigung zeigte Dettenhofer einen Johann Schmid an, welcher in einem Wirtshaus behauptete, dass Dettenhofer seine Dekorationen nicht verdient sondern erschwindelt hätte. Über den Ausgang der Gerichtsverhandlung kann man ebenfalls in den Tageszeitungen lesen:

 

 

 

 

 

 

Weiterhin kam es auch zu einer Gerichtsverhandlung wegen Erpressung, worüber folgender Zeitungsartikel Auskunft gibt.

 

 

 

 

Auch seine 1. Frau war von Beleidigungen betroffen, worüber auch die Zeitungen berichteten:

 

 

 

 

Dettenhofer war bekannt in ganz Bayern, was folgender Bericht im Rosenheimer Anzeiger zeigt:

 

 

 

 

Für was genau folgende veröffentlichte Danksagung bestimmt war, ist nicht mehr zu ermitteln.

 

 

 

 

Das Infanterie-Leibregiment hatte  selbst 1914 die Tat zur Befreiung von Offizieren und Mannschaften dem Franz Dettenhofer nicht vergessen. Er wurde immer noch zu Feiern des ILR eingeladen, wovon folgender Zeitungsartikel vom 12. Juli 1914 erzählt:

 

 

 

 

Ein langes und abwechslungsreiches Leben des hochgeachteten Franz Dettenhofer ging am 28. Juni 1920 zu Ende. Er starb im Kreise seiner Familie im 74. Lebensjahr nach kurzer Krankheit.

 

 

 

 

Quellen:

– Zeitungsarchiv der bayerischen Staatsbibliothek

– Umfangreiches Privat-Archiv der Familie Dettenhofer

– W. Kinast „Der Tapferkeit“, Die Königlich-Bayerische Militär-Verdienst-Medaille im deutsch-

französischen Krieg 1870/71, Taten und Ehrenbuch, Phal. Verlag M. Autengruber, Konstanz 2017

 

 

3 Comments
  1. Servus Lorin, Servus Walter, really interesting story that is familiar to everyone who deals with the Medal of Bravery 1870/71. I have only now become aware of the OMSA and I am impressed by how many good contributions there are about Bavarian awards. I’ll stop by here more often. greetings from Bavaria

    Ludwig Werner

    • Servus Ludwig,

      Thank you for your compliment regarding the OMSA Blog. I am glad that you have found us. Walter Kinast is a regular contributor and has consistently provided top quality well-researched information. All credit for this particular contribution goes to him. We will be adding additional interesting articles in the future. There will also certainly be more topics pertaining to Bavarian awards.

      With friendly greetings from the USA to Bavaria,

      Lorin

  2. Servus Ludwig,

    nice that you have found your way to the OMSA page and that you like the article. Lorin is a fantastic expert on the highest Bavarian awards and I always enjoy reading his articles. Just stop by here often. There’s a lot to discover.

    Many greetings from Oberbayern to Unterfranken
    Walter

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